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Gebietsreform

© Dorfgemeinschaft
Röhrenfurth

Letzte Änderung:
28.08.2011

800 Jahre Röhrenfurth (1982)
Geschichte und Geschichten eines Dorfes
Aktualisierte Ausgabe

Die Gebietsreform

In den Jahren 1968 bis 1970 warf die sogenannte „Gebietsreform" ihre Schatten voraus. Kluge politische Köpfe wollten die Vorteile, die Zentralisation, Konzentration und Rationalisierung den Industriebetrieben gebracht hatten, nun auch auf der „kommunalen Ebene" praktizieren. So gut der Grundgedanke war, den kleineren Gemeinden mit dem Verwaltungswissen und auch den Finanzmitteln der Größeren bei der Bewältigung der „modernen" Aufgaben zu helfen, so schlecht war es, diesen in vielen Jahrhunderten gewachsenen Gemeinwesen ihre Selbständigkeit zu nehmen und sie zu Anhängseln der zentralen Verwaltung zu degradieren. Man gestand ihnen zwar einen Ortsbeirat mit einem Ortsvorsteher an der Spitze zu, stattete aber dieses Gremium mit keinerlei Befugnissen aus, außer dem Recht, in Angelegenheiten, die den Orts- oder Stadtteil betreffen, angehört zu werden.
Das schöne Wort „Bürgernähe" wurde erfunden, leider wie so vieles andere ein Begriff ohne wesentlichen Inhalt.
In Röhrenfurth bildeten sich zwei Richtungen für den Anschluß unserer Gemeinde; heftige Diskussionen, zum Teil mit Emotionen geladen, wurden über dieses Thema geführt. Auf der einen Seite standen die, die einen Anschluß an die Stadt Melsungen befürworteten, auf der anderen die, die pro Körle votierten. Letztere waren in der Minderheit. Aus der heutigen Sicht kann man jedoch sagen, daß die große Mehrheit der Röhrenfurther diesen Dingen ziemlich abwartend gegenüberstand. Man ahnte wohl bereits damals, daß alle Bürgerproteste ohne Wirkung bleiben würden, was sich später dann auch bewahrheitete. Am 15. Dezember 1970 wählte die Gemeindevertretung eine Verhandlungskommission für die bevorstehenden Gemeindezusammenschlüsse. Ihr gehörten an: der damalige Bürgermeister Karl Ackermann, der Beigeordnete Gert Portmann und die Gemeindevertreter Heinz Hofmann, Konrad Hofmann, Hans Dietrich und Kurt Rose. Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Gemeindeparlament wurde wegen des Zusammenschlusses nur mit der Stadt Melsungen ein Grenzänderungsvertrag ausgehandelt und entworfen. In der öffentlichen Gemeinderatssitzung vom 26. Januar 1971 erfährt die Vorlage des Gemeindevertreters Heinrich Schneider VII. (früherer Bürgermeister), die Gemeindeverwaltung in der bisherigen Form beizubehalten, mit 6 gegen 3 Stimmen eine Absage. Für einen Anschluß der Gemeinde Röhrenfurth an die Stadt Melsungen stimmten in der gleichen Sitzung 7 Gemeindevertreter, 2 enthielten sich der Stimme, der vorliegende Grenzänderungsvertrag wurde in seiner Entwurfsfassung mit 8 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Damit war Röhrenfurth ein Stadtteil Melsungens geworden.
Heute, nach einem Dutzend Jahren, schon ein Fazit zu ziehen, erscheint mehr als verfrüht. Ausgedacht und ausgeführt wurde die "Gebietsreform" in einer Zeit der Hochkonjunktur und vollen Kassen, bewähren wird sie sich aber erst in Zukunft müssen, wenn die Ausführung so mancher hochgesteckten Pläne am fehlenden Geld scheitert und wenn die Politiker begriffen haben, daß „Lebensqualität" nicht nur materiellen Wohlstand beinhaltet.
Hier könnte nun die Chronik des ehemaligen Adelsdorfes Röhrenfurth enden . . . aber lesen wir weiter, was es über die Jahre nach 1970 zu berichten gibt.

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