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Unwetter

© Dorfgemeinschaft
Röhrenfurth

Letzte Änderung:
28.08.2011

800 Jahre Röhrenfurth (1982)
Geschichte und Geschichten eines Dorfes
Aktualisierte Ausgabe

Das Unwetter am 17. Juli 1969

Ein Ereignis des Hochsommers 1969 wird besonders den Bewohnern der Bachstraße noch lebhaft in Erinnerung sein. Am Nachmittag des 17. Juli brauten sich schwere, schwarze Wolken über der Söhre, der Hünenburg und dem Haarberg zusammen. In einem Inferno von Blitz und Donner entluden mehrere Wolkenbrüche zweieinhalb Stunden lang ihre Wassermassen. In kurzer Zeit wurden die Rinnsale zu reißenden Bächen, die Trockene- und Nasse Mülmisch, der Breitenbach und der Höhbach zu wild schäumenden Flüssen, die alles im Wege stehende in ihren Fluten mitrissen. Besonders wild gebärdete sich unser sonst so friedliche Breitenbach.

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Die Dämme der im Spittelsgrund angelegten Fischteiche barsten unter dem Druck der Wassermassen, die sich mit denen des Hüttengrundes vereint in einer braunen, gischtenden Flutwelle dem Dorf entgegenwälzten. Sie unterspülten die Brücke des Grundweges, brachten sie zum Einsturz, gruben ein über drei Meter tiefes Bachbett und ergossen sich in die Bachstraße. Mauern und Zäune, zentnerschwere Steinbrocken, Holzstämme, sogar einen nicht rechtzeitig in Sicherheit gebrachten PKW rissen sie mit. Sie zerstörten die anliegenden Gärten, drangen in die Keller ein, brandeten über Höfe, durch Ställe und Scheunen und luden Unmengen von Schutt und Trümmern auf dem Platz vor der Kirche und den Höfen Bettenhausen und Fehr ab. Die alarmierte Feuerwehr war pausenlos im Einsatz, konnte aber gegen diese Naturgewalten wenig ausrichten, zumal sich die Wassermassen auch durch die Bergstraße, die Ostwaldstraße und die Kasseler Straße ihren Weg zum Bahnübergang bahnten, sich vor dem Bahndamm stauten und den Weg an der Bahn meterhoch überschwemmten. Menschen und Tiere kamen mit dem Schrecken davon. Erst in den späten Abendstunden ebbte das Poltern und Gurgeln der Fluten ab, und das ganze Ausmaß der Verwüstungen wurde sichtbar. Es dauerte Wochen, bis die größten Schäden notdürftig beseitigt waren. Vor der Dittmarschen Scheune (Grundstraße-Ecke Bachstraße) klaffte ein tiefes Loch, der Asphaltbelag der Bachstraße war unterspült, vom Untergrund abgehoben und fortgespült worden. Vom Hofe Adolf Bettenhausen hatten die Fluten das Pflaster weggerissen, in den Scheunen und Ställen der Höfe Heinz Bettenhausen und Fehr lag eine dicke Schlamm -und Schuttschicht, die Ortskanalisation war verstopft, und der Zugbetrieb der Bundesbahn mußte vorübergehend eingestellt werden. Der Durchlaß der Bahnbrücke über die Mülmisch hatte die Wassermassen nicht fassen können. Sie stauten sich vor dem Bahndamm zu einem riesigen See, unterspülten die Gleise, die Widerlager der Bachbrücke und die Fundamente einiger Fahrleitungsmasten . Erst am nächsten Morgen konnte der Zugverkehr eingleisig wieder aufgenommen werden.

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Die auswärts beschäftigten Röhrenfurther brauchten Stunden, um an diesem 17. Juli auf allen möglichen Umwegen endlich nach Hause zu kommen. Die B 83 war zwischen Melsungen und Röhrenfurth durch mehrere Erdrutsche gesperrt, von Schwarzenberg her versperrten die Schutt- und Geröllmassen die Zufahrt zum Dorf. Aus Richtung Kassel waren die Ortsdurchfahrt Körle, das ebenfalls schwere Schäden zu verzeichnen hatte, und das Mülmischtal unpassierbar, auch über Eiterhagen-Empfershausen gab es kein Durchkommen. Die Schäden waren erheblich, und selbst die ältesten Einwohner konnten sich nicht an ein ähnliches Unwetter erinnern. Ein besonderes Lob verdienen die Männer der freiwilligen Feuerwehr und alle Helfer, die in unermütlichem Einsatz die Straßen räumten, Keller auspumpten und den betroffenen Einwohnern nach Kräften halfen, wieder einigermaßen Ordnung zu schaffen.
 
 
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