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Willkommen in Röhrenfurth

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Chronik der Chorvereinigung

© Dorfgemeinschaft
Röhrenfurth

Letzte Änderung:
28.08.2011

800 Jahre Röhrenfurth (1982)
Geschichte und Geschichten eines Dorfes
Aktualisierte Ausgabe

Die Chorvereinigung 1876 Röhrenfurth

Vor nunmehr 106 Jahren, in einer Zeit des erwachenden Nationalgefühls und der beginnenden „Kaiserzeit", als aus den Untertanen allmählich Bürger wurden, entstanden überall Männergesangvereine. Sie waren Ausdruck einer gewissen politischen Freiheit und Demokratie, wenn auch nur im kleinen Kreis eines Vereins. Die in ihm zusammengeschlossenen Männer gaben sich selbst ihre Richtlinien, sie stellten sich selbst Aufgaben, konnten also ein wenig Selbständigkeit dokumentieren, ohne daß die Obrigkeit überall hineinredete. Der Zweck und die Zielsetzung eines Männergesangvereins lagen von vornherein fest. Erstes Ziel war die Pflege des Volksliedes und der Geselligkeit, selbstverständlich war auch die Mitwirkung bei kirchlichen und nationalen Feiertagen. Politik war innerhalb des Vereins unerwünscht um Reibungspunkte möglichst zu vermeiden; es sollten ja alle „unbescholtenen" männlichen Einwohner unseres Dorfes Mitglied werden können. Eine Autoritätsperson war ebenfalls vorhanden, denn die musikalische Leitung hatte in aller Regel der Lehrer des Dorfes. Er mußte damals zwei Musikinstrumente in etwa beherrschen, die Orgel für die Kirchenmusik und Harmonium oder Geige für den Gesang in der Schule und eben im Gesangverein. War der Dirigent nicht gleichzeitig auch Vereinsvorsitzender, so lag dieser Posten wohl in den Händen des Bürgermeisters oder einer anderen, im öffentlichen Leben stehenden Persönlichkeit. Die weltliche und kirchliche Obrigkeit konnte sich also darauf verlassen, daß innerhalb des Gesangvereins alles "seine Ordnung hatte" und auch behielt. Jeder Verein mußte eine Satzung -damals nannte man sie Statuten- haben, in der alles geordnet war und die der Landrat genehmigte. Jedes Mitglied mußte sie durch seine Unterschrift als für sich verbindlich anerkennen, und es unterwarf sich damit einem ziemlich strengen Reglement. Selbst die Zeit, wie lange ein Mitglied nach dem Tode der Ehefrau, eines Kindes, der Eltern oder der Schwiegereltern den Übungsstunden fernbleiben durfte, war in den Statuten geregelt. Wer wiederholt gegen sie verstieß konnte mit Stimmenmehrheit der Vereinsmitglieder ausgeschlossen werden. Ein solcher Ausschluß, der nicht geheim blieb, wog in der damaligen Zeit schwer, denn der Lehrer, der Bürgermeister und eventuell der Nachbar hatten dem Ausschluß ja zugestimmt. An den Statuten änderte sich im Laufe der Zeit nur wenig, nur Auslegung und Anwendung wurden großzügiger gehandhabt, heute haben sie nur noch historischen Wert.
Leider sind die Aufzeichnungen aus der Vereinsgeschichte vor dem Ersten Weltkrieg verloren gegangen. Die Entwicklung von der Gründung bis zum Jahre 1915 kann daher nur aus späteren Chroniken rekonstruiert werden. Im Jahre 1876 suchte der in Röhrenfurth wohnende und tätige Förster August Seeger (er war Nachfolger des Försters Borngrebe und wohnte im damaligen Forsthaus an der Brücke) Gleichgesinnte für die Gründung eines Männergesangvereins zu gewinnen. Die Besprechungen fanden in der Gastwirtschaft Otto Steinbach (jetzt Haus Zimmermann-Stöhr) statt. Nach mehrmaligen Zusammenkünften erfolgte dann die Vereinsgründung als Männergesangverein.
Den Vorsitz übernahm der Initiator, Förster August Seeger, die musikalische Leitung der seit 1855 in Röhrenfurth angestellte Lehrer Christian Pflüger (er stammte aus Maden bei Fritzlar). Die Übungsstunden fanden zunächst alle 14 Tage in der Schule statt. Die Kassenführung lag in den Händen von Johannes Schanze. Die Namen der weiteren Gründungsmitglieder sind nicht überliefert. Bereits ein Jahr nach der Gründung veranstaltete der Chor sein erstes Vereinsfest. Am gleichen Tage weihten die Gemeinde und die Kirche die Ehrentafel für die Teilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 ein. Der Männerchor wirkte bei der Ausgestaltung in gebührender Form mit. Im Jahre 1885 mußte der Chorleiter Christian Pflüger sein Amt niederlegen, er war krank und trat am 1. 7. 1887 in den Ruhestand. Einen Nachfolger als Dirigent fand der CJior erst drei Jahre später (es kamen Lehrer nur für verhältnismäßig kurze Zeit nach Röhrenfurth), in Lehrer August Ackermann, der den Chor dann bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges -von 1888 bis 1914, insgesamt 26 Jahre- musikalisch betreute.
Anno 1890 hatte der Chor 41 Mitglieder. Sie unterschrieben am 18. März die Statuten des Vereins; Bürgermeister Martin Landgrebe bestätigte am 21. April, daß der Gründung des Gesangvereins sowie der Genehmigung der Statuten in ortspolizeilicher Hinsicht keine Bedenken entgegenstehen. Schließlich genehmigte der Königliche Landrath Negelein die Statuten am 6. Mai 1890. Konrad Steube übernahm die Kassenführung des Vereins und Bürgermeister Heinrich Nödel wurde 1885 zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Am Abend des 1. Weihnachtstages des Jahres 1898 gestalteten der Männerchor und ein zweistimmiger Schülerchor eine Weihnachtsfeier in der Kirche, die einen nie erwarteten Anklang in der Bevölkerung fand. "Die Kirche war dann auch so voll, wie ich sie in den 10 Jahren meiner Wirksamkeit hier vordem nicht gesehen habe", schreibt Lehrer Ackermann in der Schulchronik. Im Jahre 1901 beging der Männergesangverein Röhrenfurth festlich sein 25-jähriges Bestehen; er schaffte sich die bis heute in Ehren gehaltene Fahne an, die in einem besonderen Festakt geweiht wurde, und heute mit einem Alter von 80 Jahren bereits historischen Wert besitzt.
Von den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg ist nichts überliefert, nur daß die Vereins- und Chortätigkeit während des Krieges vollständig ruhte. Erst am 3. Juli 1920 riefen 53 Männer den Verein wieder ins Leben. Bürgermeister Heinrich Nödel übernahm nochmals den Vorsitz, gab ihn aber noch im gleichen Jahr an Wilhelm Sonntag, den bisherigen 2. Vorsitzenden ab. Schriftführer wurde zunächst Heinrich Freudenstein, ein Jahr später übernahm dieses Amt Friedrich Nadler, der es bis 1937 ausübte. Zum Kassierer wählte man Valentin Steube -der Sohn des Kassenwartes Konrad Steube-. Dieses Amt übten Vater und Sohn über insgesamt 63 Jahre aus, eine in einer Chronik zu würdigende Tatsache.
Der Chor war in den folgenden Monaten sehr aktiv. Besuche bei den Nachbarvereinen, so bereits 1921 in Eiterhagen (das nachstehende Bild wurde aus diesem Anlaß bei den "Vier Buchen" aufgenommen) lenkten ein wenig von den Sorgen ab, die die Inflation auch in die Reihen des Gesangvereins zu tragen begann. Erwähnt werden muß auch das Jahr 1925, denn am 31. Oktober gründeten die Chöre des Kreises Melsungen den Sängergau Heiligenberg, dessen Erster Vorsitzender der Chorleiter des Röhrenfurther Vereins, Lehrer Eduard Lange wurde. Im gleichen Jahre begann man mit den Vorbereitungsarbeiten für das in 1926 vorgesehene Sängerfest aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Männergesangvereins Röhrenfurth.

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Ein besonderes Ereignis für den Chor und auch das Dorf wurde das 50jährige Vereinsjubiläum in 1926, das man zusammen mit dem ersten Kreissängerfest vom 5. bis zum 6. Juni 1926 in würdiger Form beging. Der Erste Vorsitzende Andreas Holzhausen begrüßte viele Ehrengäste, die Festrede hielt Eduard Lange als Chorleiter des Jubiläumsvereins und Vorsitzender des neuen Sängergaues Heiligenberg. Die Frauen der Vereinsmitglieder stifteten zwei Fahnenschleifen mit ihren eingestickten Namen. Von den Vereinen des Sängergaues erhielt unser Chor einen wertvollen, massiven Eichenschrank für die Aufbewahrung der Noten und der Vereinsfahne. Leider verregneten der Sonnabend und Sonntag des Jubiläumsfestes fast vollständig. Die Röhrenfurther sprachen noch lange von ihrem "Schirmfest". Trotzdem war die Stimmung ausgezeichnet und das Fest noch lange ein Gesprächsthema im Verein und im Dorf.
Die Geselligkeit innerhalb des Vereins kam nie zu kurz; die Besuche bei Nachbarvereinen, zu denen auch die Ehefrauen „mitgenommen" wurden, brachten stets fröhliche Stunden und Abwechslung in den sonst so grauen Alltag. Im Jahre 1930,am 1. Juni, feierten die Sänger ihr Bundessängerfest in Kassel, bei dem auch der Männergesangverein Röhrenfurth im Rahmen des Singens der Bezirkschöre mitwirkte. Eine bronzene Plakette erinnert noch an diesen Tag. Der Chor zählte in diesem Jahr 35 singende und 7 Ehrenmitglieder. Die wirtschaftliche Not dieser Zeit beeinträchtigte aber auch das Vereinsleben erheblich und mancher Sänger blieb den Übungsstunden fern.
Erstmalig in der über 50jährigen Vereinsgeschichte kam es im Jahre 1932 zu politischen Auseinandersetzungen. Die Äußerung "ein Nazi gehört nicht auf die Orgelbank", die bei den Vorbereitungen für eine Mitwirkung des Chores im Gottesdienst gefallen war, wurde von der betroffenen Seite als schwere Beleidigung angesehen. Trotz der Vermittlungsversuche des Vorsitzenden und des Kassierers war die Angelegenheit nicht zu bereinigen. Der Chorleiter, Hauptlehrer Eduard Lange, stellte sein Amt zur Verfügung und Lehrer Otto Riemenschneider übernahm notgedrungen diesen undankbaren Posten. Mit den Notizen über die Jahreshauptversammlung des Jahres 1934 enden die Eintragungen im Protokollbuch des Vereins. Die restlichen Seiten sind herausgetrennt, vermutlich vor Kriegsende, um das unrühmliche Wirken einiger Vereinsmitglieder nicht zu überliefern.
Infolge weiterer politischer Querelen zerfiel der Chor immer mehr. Es konnte nicht mehr gesungen werden, die Chortätigkeit ruhte, der Verein existierte praktisch nicht mehr.
Erst 13 Jahre danach, als die Menschen ein wenig Abstand von den Schrecken des Zweiten Weltkrieges gewonnen hatten, fanden sich am 15. April 1950 -nach einigen Vorbesprechungen- insgesamt 25 frühere Vereinsmitglieder zusammen, um den Männergesangverein erneut aufleben zu lassen. In der Gründungsversammlung, in der auch der Vorsitzende des Sängerkreises Heiligenberg, Julius Müller, anwesend war, wählten die Mitglieder Konrad Rothämel zum 1. Vorsitzenden, Justus Nödel zum 2. Vorsitzenden, Valentin Steube zum Kassierer -er hatte dieses Amt bereits seit 1920 inne- und Kurt Rose zum Schriftführer. Für das Amt des Chorleiters konnte man Hans Koch, Finanzbeamter aus Melsungen, gewinnen.
Noch im " Gründungsjahr" beteiligte sich der Chor an den Sängerfesten in Malsfeld und Kehrenbach, veranstaltete selbst einen Liederabend mit den Chören aus Körle und Empfershausen, sang am Totensonntag in der Kirche und pflegte wieder die Geselligkeit bei einer vorweihnachtlichen Feier mit Kinderbescherung.
In der Jahreshauptversammlung 1951 wurde beschlossen, das 75jährige Bestehen des Vereins mit einem Bezirkssängerfest vom 23. bis 25. Juni zu begehen. Von den 45 eingeladenen Vereinen kamen 425 Sängerinnen und Sänger aus 14 Chören nach Röhrenfurth. Der Turn- und Sportverein beteiligte sich mit 70 Mitgliedern am Jubiläumsfest. Am Sonntag, dem 24. Juni, beginnend um 9 Uhr, führte der Sängerkreis Heiligenberg ein Wertungssingen in der Gastwirtschaft zum Bahnhof durch, leider maßen sich bei diesem Sängerwettstreit nur 8 Chöre; es braucht eben alles seine Anlaufzeit.
Das Fest verlief zur vollsten Zufriedenheit, denn mehr als 20 junge Männer wurden als neue Mitglieder geworben.
Der Männergesangverein 1876 Röhrenfurth war mit seinen weit über 50 Aktiven ein gern gesehener Gast bei Freundschaftssingen mit den Nachbarchören, so z. B. bei den Sängerfesten in Niederbeisheim (wo es einigen jungen Männern besonders gut gefiel) und in Altenbrunslar, von wo man mit der Bundesbahn, in einem "Vierter-Klasse-Wagen" stehend, der Fahnenträger in der Mitte, fröhliche Lieder singend, in sehr "heiterer" Stimmung nach Hause fuhr (auch solche Erinnerungen sollten in einer Chronik Platz haben). Das Jahr 1954 sah wiederum einen sehr aktiven Männerchor. Vom 22. bis 24. Mai wirkte er beim 50jährigen Stiftungsfest des Turn- und Sportvereins Röhrenfurth und am 10. und 11. Juli anläßlich des 20jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Röhrenfurth mit. Gesungen wurde jeweils beim Festkommers, zum sonntäglichen Festgottesdienst und zur Begrüßung der Gäste nach dem Festzug. Die Kirchengemeinde und die politische Gemeinde Röhrenfurth weihten am 22. August das Ehrenmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges ein. Auch diese Feier gestaltete der Chor mit.
Das Jahr 1954 brachte auch einen Wechsel an der Spitze des Vereins. Der bisherige Vorsitzende Konrad Rothämel gab sein Amt ab - er war gesundheitlich nicht in bester Verfassung -. Sein Nachfolger wurde Konrad Kilian. Bereits im Mai war Hans Koch als Chorleiter ausgeschieden. Konrad Zimmermann aus Körle stellte sich dankenswerterweise dem Chor als Musikmeister, der er in vorbildlicher Art stets war, vorübergehend zur Verfügung.
Im Jahre 1955 konnte das Problem der musikalischen Leitung des Chors für längere Zeit und zum Besten der Chortätigkeit gelöst werden. Der bisher in Albshausen tätige Lehrer Willi Schröder übernahm die in Röhrenfurth freie Stelle des Hauptlehrers und löste gleichzeitig Konrad Zimmermann als Chorleiter ab. Konrad Rothämel übernahm wieder das Amt des 1. Vorsitzenden, Kurt Maurer das des 2. Vorsitzenden.
Für den Verein begann eine sehr rege Vereinstätigkeit, die man aus der heutigen Sicht als eine "Blütezeit" bezeichnen kann.
Am 30. Juni und 1. Juli 1956 feierte der Verein mit benachbarten Chören sein 80jähriges Bestehen. Das Wetter und die Stimmung waren im mit Lampions beleuchteten "Nödels Garten" ausgezeichnet.
Das Jahr 1957 brachte für unseren heutigen Chor eine sehr wichtige Entscheidung. In der Jahreshauptversammlung wurde auf Vorschlag des damaligen 2. Vorsitzenden Kurt Maurer dem Männerchor ein Frauenchor angegliedert. Bereits nach kurzer Zeit sangen 25 Frauen und Mädchen unter der Leitung von Willi Schröder. Männerchor, Frauenchor und Gemischter Chor erlebten dank des nimmermüden Einsatzes Willi Schröders sehr schöne Erfolge, die anspornend auf die Leistungen aller Chormitglieder wirkten. Besonders muß auch die enge Zusammenarbeit zwischen der Schule und dem Chor erwähnt werden. Schröder schrieb drei Puppenspiele, denen die Röhrenfurther Geschichte als Vorlage diente, studierte sie mit seinen Schülern, die die Handpuppen im Werkunterricht selbst gebastelt hatten, ein und führte sie unter Mitwirkung seines Chors im stets voll besetzten Saal der Gastwirtschaft auf. In sehr schöner Erinnerung sind auch die Familienabende und die Adventsfeiern des Vereins geblieben.
Nach achtjähriger, nicht immer leichter Tätigkeit als 1. Vorsitzender gab Konrad Rothämel sein Amt 1958 ab. Sein Nachfolger wurde Kurt Maurer. Die folgenden Jahre waren für unseren Chor Lehrjahre im besten Sinne. Anspruchsvolle, zum Teil siebenstimmige Chöre, studierte der Chorleiter mit viel Einfühlungsvermögen ein. Alle Sängerinnen und Sänger gaben ihr Bestes. Die Männer und Frauen unseres Chores erinnern sich noch gern an diese Zeit. Leider legte Willi Schröder im April 1964 nach fast neunjähriger so erfolgreicher Tätigkeit sein Amt nieder.
Zum Glück fand der Chor einen tüchtigen Nachfolger in Heribert Eisele, der erst Anfang des Jahres zusammen mit seiner Frau Chormitglied geworden war. Ein Musikus mit Leib und Seele, der sich schnell in das ungewohnte neue Metier eines Chorleiters fand und unter dessen Leitung der Chor sein bisheriges Niveau sicher halten konnte.
In 1966 feierte der Verein sein 90jähriges Bestehen am 2. und 3. Juli zusammen mit den Nachbarchören aus Guxhagen, Albshausen, Körle, Empfershausen, Melsungen und Kirchhof, die erstmalig an verschiedenen Plätzen unseres Dorfes ein "Platzsingen" veranstalteten. Fast wäre dieses Fest - wie das 50jährige -ein "Schirmfest" geworden, aber Petrus hatte dann doch ein Einsehen mit all den froh gestimmten Gästen.
Ein Jahr später feierte der Frauenchor sein 10jähriges Bestehen. Bei einem Faschingsvergnügen wurde dieser Tag in fröhlicher Runde begangen. Am 11. Mai 1967 brachte der Chor seinem Ehrenvorsitzenden Wilhelm Sonntag zum 90. Geburtstag ein Ständchen. Der Jubilar, geistig und körperlich sehr rege, revanchierte sich seinerseits mit einem "Fäßchen", das dankbar angenommen wurde.
Im Laufe der folgenden Jahre, etwa von 1969/70 ab, ging der Anteil der Männer im Chor aus Altersgründen ständig zurück. Es konnte nur noch im Gemischten Chor gesungen werden. Trotzdem oder gerade deswegen blieb die Leistung auf dem bisherigen anspruchsvollen Niveau. Die Chortätigkeit war stets rege, besonders in der Öffentlichkeit. Erwähnt werden müssen: Sommerliche Schloßgartenkonzerte in Melsungen, Adventskonzerte in der Röhrenfurther Kirche, Liederabende mit den befreundeten Nachbarvereinen und nicht zu vergessen die alljährlichen Faschingsbälle mit ihrer ausgelassenen Stimmung, die großen Anklang bei den Röhrenfurthern fanden. Busfahrten ins Fichtelgebirge und an die Weinstraße wurden unternommen und stets war der Chor bei besonderen Anlässen, z.B. bei goldenen Hochzeiten oder seltenen Geburtstagen oder bei den Altennachmittagen zur Stelle, um den Beteiligten mit seinen Liedern eine Freude zu bereiten.
Zu einem besonderen Höhepunkt in der Vereinsgeschichte wurde das Jahr 1976, das Jahr des 100jährigen Bestehens unserer Sängergemeinschaft. Vom 13. bis 15. August feierten die Röhrenfurther zusammen mit ihrem Chor dieses Ereignis, das am Sonntag, dem 15. August anläßlich des Kreissängerfestes weit über 1000 Sängerinnen und Sänger nach Röhrenfurth brachte. Begonnen hatte das Jubiläumsjahr mit einer unangenehmen Überraschung, Heribert Eisele, der den Chor über 10 Jahre hinweg musikalisch erfolgreich geleitet hatte, stellte sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung (zwei Jahre später, am 13. September 1978 trugen wir ihn zu Grabe). Der Chor stand vor einer schweren Entscheidung. Wer konnte neuer Chorleiter werden? Wer diese Aufgabe so kurz vor dem Jubiläumsfest übernehmen? Helmut Ganz, Mitglied des Chores seit 1971 und seit 1974 neben Kurt Rose Stellvertreter des Chorleiters, hatte den Mut, in dieser Situation die musikalische Leitung zu übernehmen; und er hat dieses verantwortungsvolle Amt auch heute noch inne.
Bereits am Sonntag, dem 7. März sang der Chor unter seiner Stabführung anläßlich des 51. Kreissängertages in Röhrenfurth vor dem Präsidenten des Mitteldeutschen Sängerbundes, Waltari Bergmann, und etwa 150 Delegierten von 36 Chören des Sängerkreises Heiligenberg.
Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltungen lud der Chor alle Röhrenfurther Einwohner über 70 Jahre zu einem gemütlichen Nachmittag am Sonntag, dem 28. März ein. Über 120 Eingeladene erlebten einige heitere abwechslungsreich gestaltete Stunden bei Kaffee und Kuchen, einem Film über Röhrenfurth, mit Liedern des Chores und Sketchen aus dem täglichen Leben. Ein guter Auftakt des Jubiläumsj ahres.
Die "Festtage" begannen am Freitag, dem 13. August mit einem Festkommers im Festzelt. Viele Ehrengäste, an ihrer Spitze der Präsident des Mitteldeutschen Sängerbundes und Vorsitzender des Sängerkreises Heiligenberg, Waltari Bergmann, Bürgermeister Dr. Ehrhart Appell, Pfarrer Sippel, die Vorsitzenden der Röhrenfurther Vereine und viele andere waren der Einladung gefolgt. Die HNA schrieb über die Feierstunde: "Waltari Bergmann war des Lobes voll. Er sprach von einer vorbildlichen Feierstunde, von einer vorbildlichen Disziplin, von einer vorbildlichen Festschrift, die ein echtes Dokument darstelle, und bekräftigte: Singen heißt Verstehen". Dann überbrachten die Nachbarchöre Körle, Schwarzenberg, Concordia Liedertafel Melsungen und die "Melsunger Barten-wetzer" ihre Glückwünsche und Geschenke und trugen mit zum Gelingen des Abends bei.
Für den Sonnabend hatte sich unser Chor etwas besonderes ausgedacht: Ab 15 Uhr hörten die Röhrenfurther ein vom Musikkorps des Bundesgrenzschutzkommandos Mitte, Kassel, intoniertes Platzkonzert, das leider nur sehr wenige Zuhörer hatte, von den wenigen aber mit viel Applaus aufgenommen wurde. Unter den Klängen des Liedes „Ich hat' einen Kameraden" legte der Chor am Gefallen-Ehrenmal einen Kranz nieder und verabschiedete sich bei leichtem Nieselregen vom Musikkorps des Bundesgrenzschutzes mit einem herzlichen Dankeschön.
Der Sonntag begann mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche, den auch der Kirchenchor der Katholischen Pfarrgemeinde Maria Himmelfahrt aus Melsungen mitgestaltete. Ab Mittag stand unser Dorf dann ganz unter der Herrschaft einer 1000köpfigen Sängerschar, die Röhrenfurth bei dem "Platzsingen" und dem anschließenden Kreischorsingen zu einem singenden, klingenden Dorf machte.
Festreden des Präsidenten des Mitteldeutschen Sängerbundes, Waltari Bergmann, des Landrates des Schwalm-Eder-Kreises, August Franke, des Bürgermeisters der Stadt Melsungen, Dr. Ehrhart Appell, wechselten mit den Chören aus dem oberen und unteren Fuldatal, aus dem Eder- und Pfieffetal. Und der mit Birken- und Tannengrün und vielen Fahnen geschmückte Platz strahlte unter der aus blauem Himmel scheinenden Sonne.
An allen Abenden konnten die Röhrenfurther und die vielen Gäste das Tanzbein schwingen und als dann die Sängerinnen und Sänger des Chors am späten Montagabend müde aber doch ein wenig stolz ihr Fazit zogen, gab es nur zufriedene Gesichter, denn das Fest war auch ein finanzieller Erfolg geworden, zwar kein übermäßiger, aber doch ein angenehmer.

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Am 19. September - fünf Wochen nach dem "100jährigen" - fuhr der Chor nach Bensheim an der Bergstraße, um zusammen mit weiteren 24 Chören aus Hessen aus der Hand des Kultusministers die Zelterplakette entgegenzunehmen. Eine Ehrung, die den Chören für ihre Verdienste um die zwar bescheidene aber doch so wichtige kulturelle Arbeit innerhalb ihres Wirkungskreises zuteil wird. Das Jubiläumsjahr klang aus mit einem Adventskonzert, das unser Chor zusammen mit dem katholischen Kirchenchor, den "Singenden Bartenwetzern", dem Posaunenchor und der Röhrenfurther Gitarrengruppe am Sonntag, dem 12. Dezember veranstaltete.
Der Verein hatte in 1976 insgesamt 79 Mitglieder, davon 21 Männer und 19 Frauen als aktive Sänger und Sängerinnen sowie 17 Männer und 16 Frauen als passive, fördernde Mitglieder und 5 Ehrenmitglieder.
Im folgenden Jahr, am 12. März, feierten die Frauen -nur "unter sich"- das 20jährige Bestehen ihres Chores im Rahmen eines netten, gemütlichen Abends. Ein besonderes Ereignis war aber die Fahrt nach München am 3. und 4. September, die allen Beteiligten noch heute in schöner Erinnerung ist. Das Jahr 1978 brachte einen Wechsel in der Vereinsführung. Kurt Maurer trat nach mehr als 20jährigem Vorsitz zurück und übergab sein Amt dem bisherigen 2. Vorsitzenden Hans Dietrich, der einstimmig von den Mitgliedern als neuer 1. Vorsitzender bestätigt wurde. Auch unter der „neuen Leitung" blieb der Chor stets erfreulich aktiv. Genannt werden müssen: Mitwirkung beim Chorkonzert aller Melsunger Chöre am 2. Juni 1978, anläßlich des 23. Melsunger Heimatfestes, Teilnahme am Wertungssingen in Guxhagen, bei dem unser Chor ein gutes Wertungsurteil erhielt, eine Busfahrt nach Rüdesheim, zum Niederwalddenkmal mit Dampferfahrt nach St. Goar, Teilnahme am Chorkonzert der Concordia Liedertafel Melsungen und vieles mehr.
Auch die Geselligkeit innerhalb des Vereins kam nie zu kurz. Wanderungen und musikalische Treffen mit den befreundeten Chören, zu denen sich jetzt auch der Bläserchor Ellenberg gesellte, brachten immer wieder Abwechslung und frohe Stunden in den Sängeralltag. Erlebnisse mit besonderem Reiz waren die Fahrten nach Bamberg und in die fränkische Schweiz, nach Bremen und Bremerhaven. Viel Freude machte den Kindern der Chormitglieder eine gemeinsame Dampferfahrt auf der Weser.
Aber nicht nur heitere Erlebnisse säumten den langen Weg des Chors. Immer wieder mußten wir Abschied nehmen von unseren "Alten", die jähre- und jahrzehntelang eng mit uns verbunden waren, die an verantwortlicher Stelle für den Verein gearbeitet oder "nur" als Mitglied gesungen hatten. Schmerzlich war es stets, wenn wir am offenen Grabe sangen, wir kannten uns ja sehr, sehr lange. So mußten wir Anfang Juli 1980 Abschied von unserem früheren Chorleiter Willi Schröder nehmen, der unseren Chor von 1955 bis 1973 so erfolgreich betreut hatte.
In diesem Jahr steht nun unser Verein ganz unter der Aufgabe, die Feiern aus Anlaß des 800jährigen Bestehens unseres Dorfes wesentlich mitzugestalten. Eine Aufgabe, die alle Mitglieder gern übernehmen. An Aktivitäten wird es dank der Mitarbeit aller und der Ideen des Vorsitzenden und des gesamten Vorstandes sicher nicht fehlen.
An verantwortlicher Stelle des Chores wirken heute: Helmut Ganz, Chorleiter; Hans Dietrich, 1. Vorsitzender; Georg Steinert, 2. Vorsitzender; Willi Langhorst, Kassierer; Marianne Siebeck, Schriftführerin; Konrad Maurer und Anna Maurer, weitere Kassierer.


Kurt Maurer

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