wappen

Willkommen in Röhrenfurth

wappen
Der Ortsname

© Dorfgemeinschaft
Röhrenfurth

Letzte Änderung:
28.08.2011

800 Jahre Röhrenfurth (1982)
Geschichte und Geschichten eines Dorfes
Aktualisierte Ausgabe

Röhrenfurth, sein Name, seine Entstehung und seine älteste Zeit

Unsere Gegenwart ist so bewegt, dass das Leben unserer Vorfahren kaum Beachtung und Anklang findet, und dennoch sollten wir hin und wieder Rückblicke tun. Sie führen uns zur Bescheidenheit und Besinnlichkeit. Sie bringen dem Suchenden Ruhepunkte in der Lebensbetrachtung und Lebensauffassung. In der stillen Rückschau und im Vergleich liegt ihr Wert.
Diese Sätze, die der frühere Röhrenfurther Lehrer Otto Riemenschneider vor vielen Jahren als Einleitung zu einer Betrachtung über unser Dorf schrieb, haben auch heute noch volle Gültigkeit und sollten sie auch behalten.
In Arnolds "Ansiedlungen und Wanderungen deutscher Stämme, zumeist nach hessischen Ortsnamen" werden die Dorfnamen aus der Lage und Beschaffenheit des Ortes erklärt. Arnold schreibt über "Furt": ". . . damit verwandt ist das althochdeutsche Furt, vurt, fort, vort; das angelsächsische ford, fyrd; das niederdeutsche Vurd, voerde; im Dialekt auch fört, före, föhr. In Hessen treten alte Namen auf furt fünfzehnmal auf, darunter befinden sich vier Wüstungen. Nicht alle Orte liegen an Flüssen, da sumpfige Waldstellen oft ebenso schwer oder schwieriger zu passieren waren. Die "Furt-Orte" an der Fulda - insgesamt sechs - darunter die Wüstungen Ukefordi in der Gegend von Blankenheim bei Bebra und Swercelevorde (Schwerzelfurt) zwischen der Fahre und Adelshausen, bezeichnen alte, z. T. sehr alte Übergangspunkte, die dann Gelegenheit zum Ausbau gaben. . . "
Unter fränkischer Herrschaft zwischen 500 und 800 kamen, zugleich aus Sicherheitsgründen, die Furt-Orte zu besonderer Geltung. Es war eine Zeit voller Heerzüge und Fehden. Ostfranken, Thüringen und Hessen bildeten ein Königreich. Herzog- und Markgrafentümer kamen durch Erbschaften unter andere Herrschaft, sie wurden zum ständigen Zankapfel der Fürsten, die sich darob bekriegten. Jeder versuchte, seinen Machtbereich auszudehnen und sich darin sichere Wege zu schaffen. Dazu gehörte auch die Besiedlung der Übergangsstellen über Flüsse, durch Moore und Sümpfe.
Schilf, Ried- und Sumpfgräser und Wasserpflanzen bedeckten damals viele Gebiete und gaben - je nach Art - den dort entstehenden Siedlungen ihren Namen. Genannt seien hier Kolbe, Riede, Röhrda, Röhrenfurth, Binsförth und andere mehr. Der alte Röhrenfurther Flurname "Die Rohrwiesen" erinnert ebenfalls noch daran. Die Furt durch die Fulda lag unterhalb der heutigen Brücke.
Der Dorfname Röhrenfurth wäre also seiner Herkunft nach begründet. Die Schreibweise des Namens unterlag dem Sprach- und Schreibgebrauch der einzelnen Jahrhunderte und der früheren Willkür im Gebrauch des Schriftdeutschen.
So lesen wir bei der Ersterwähnung 1182 Rornefurt, 1269 Rurenvurt, 1323 Roerenfort, 1341 Rorennefort, 1347 Rorinfort, 1575 Rörnforth, auf einer Landkarte des ausgehenden 16. Jahrhunderts Ruerfurt, 1615 Röhrenfurtt, bei einer Grenzbeschreibung ebenfalls aus 1615 Roerfort und etwa von der Mitte des 17. Jahrhunderts ab Röhrenfurth.
Wann die Furt am Röhricht besiedelt wurde, ist nicht bekannt und wird wohl auch im Dunkel der Geschichte verborgen bleiben, desgleichen wer ihre ersten Bewohner waren.
Mit der Christianisierung unserer Gegend und der Gründung von Klöstern (Fulda - von Bonifatius gegründet - Hersfeld und Fritzlar, die wiederum dem Erzbistum Mainz unterstanden) erhielt die Besiedlung, auch des Fuldatales, neue Impulse. Maßgebend waren dabei: Zunächst die langsam aber stetig wachsende Bevölkerung, die weitere Nutzflächen für den Getreideanbau und die Viehwirtschaft benötigte, dann der Zuwachs der Abgaben (Zehnter und sonstige Dienste) für den Grundherrn, den Fürsten, den Grafen oder das Kloster und letztlich auch die größere zur Verfügung stehende Anzahl der Hörigen für die ständig auszufechtenden Fehden um die Macht, bei denen auch die Bischöfe von Mainz stets nicht unerheblich beteiligt waren.
So erwarb das Kloster Hersfeld (vor dem Jahre 1000) die Kirche und das Dorf Grebenau. Dieses Kirchspiel besaß damals erhebliche Ländereien, deren Grenze von Büchenwerra flussaufwärts bis zu einem Steinkreuz, durch das Breitenbachtal bis nach Wattenbach und zurück nach Büchenwerra verlief. Ein Teil der jetzigen Röhrenfurther Flur war also damals im Besitz des Klosters Hersfeld. Man muss zum Verständnis der damaligen Zeit erwähnen, dass die geistliche Macht - hier in den Händen der Erzbischöfe von Mainz - in ständiger Rivalität und auch kriegerischer Fehde mit den weltlichen Herren lag. Kriege aber kosteten auch damals schon Geld und vor allem Krieger. Ritter mit ihren Leibeigenen kämpften sowohl für die Bischöfe als auch für die Fürsten, sicher mit dem Gedanken auf reichliche Belohnung, die sie in der Regel auch erhielten.
Was lag da näher, als seine "getreuen Vasallen" mit Ländereien, die ja reichlich vorhanden waren, als Lehen zu belohnen. Auch Männer, die sich auf andere Weise um ihre geistlichen oder weltlichen Herren verdient gemacht hatten, wurden auf diese Art fest an die Klöster, Stifte und Bistümer oder an die regierenden Fürsten gebunden.
Es liegt daher im Bereich des Möglichen, dass das Kloster Hersfeld einen seiner verdienten Untertanen mit einigen Ländereien des Kirchspiels Grebenau belohnte und sie ihm zum Lehen gab. Ländereien, die an der südlichen Grenze des Kirchspiels, an der mit Röhricht bewachsenen Furt durch die Fulda lagen. Die Herren dieses Lehen nannten sich - zur Unterscheidung von anderen ihrer Sippe - die "De Rornefurt", die späteren Herren von Röhrenfurth.
Es ist aber auch denkbar, dass nicht die "De Rornefurt" die Ansiedlung an der Fulda gründeten, sondern diese Siedlung bereits seit langem bestand, einer ihrer Einwohner sich durch eine besondere Tat in Erinnerung brachte, von den anderen der "von Rornefurt" genannt wurde und sich später selbst diesen Namen zulegte.

_pfeillinks_pfeilrechtsInhalt

[Startseite] [Unser Dorf] [Dorfplan] [Tour durchs Dorf] [Informationen] [Bilder] [Chronik] [Vorwort des Verfassers] [Vorwort des Bürgermeisters] [Vorgeschichtliche Besiedlung] [Der Ortsname] [Urkunde Ersterwähnung] [Die Herren von Röhrenfurth] [Die von Riedesel] [Im Wandel der Jahrhunderte 1] [Im Wandel der Jahrhunderte 2] [Im Wandel der Jahrhunderte 3] [Von den Krankheiten] [Der dreigjährige Krieg] [Aus Büchern und Rechnungen] [Taxordnung von 1645] [Taxierung der Häuser] [Verwaltung und Gerichtsbarkeit] [Von den Gerechtsamen] [Der 7jährige Krieg] [Gemeinderechnung und Eisenbahn] [Dorfbeschreibung und Vermessungen] [Zu Kaisers Zeiten] [Die Huterechte] [Flurbereinigung] [Bau der Wasserleitung] [Weitere Jahre des Friedens] [Der erste Weltkrieg] [Zwischen den Weltkriegen] [Elektrisches Licht] [1933 - 1939] [Der zweite Weltkrieg] [Nachkriegsjahre bis 1970] [Unwetter] [Gebietsreform] [Eingliederung nach Melsungen] [Poststraße und Brücken] [Von Flachs und Leinen] [Die Mühlen] [Branntweinsbrenner und Wirte] [Die jüdischen Mitbürger] [Grenz- und Scheidsteine] [Wüstungen Breitenbach] [Glashütte] [Die Landwirtschaft] [Namen] [Statistiken, Maße] [Chronik der Kirche] [Der Friedhof] [Chronik der Schule] [Chronik der Chorvereinigung] [Chronik des TSV] [Chronik der Feuerwehr] [Chronik des VDK] [Margaretha von Röhrenfurth] [Oswaldgroschen] [Borngreben Kreuz] [Der Wangergraben] [Schwanke aus Alt-Röhrenfurth] [Röhrenfurther Bienohmen] [Karte] [Quellen und Literaturverzeichnis] [Postkarten] [Vereine] [Gewerbe] [Gästebuch] [Links] [Kontakt/Impressum]